Next to me von Hannah Bonam-Young

Klappentext

Manchmal muss man »Familie« eben neu definieren.

Als Chloes suchtkranke Mutter ein Baby bekommt, tut Chloe alles dafür, um die Vormundschaft für ihre kleine Schwester übernehmen zu dürfen. Das Jugendamt erteilt ihr jedoch nur das Sorgerecht, wenn sie an der Initiative TeamUp teilnimmt, bei der zwei potenzielle Vormünder zusammenwohnen. Chloes neuer Mitbewohner ist der mürrische Warren, der um das Sorgerecht für seinen Bruder kämpft. Vom ersten Moment an geraten Chloe und Warren aneinander, aber als sie sich besser kennenlernen, fühlen sie sich immer mehr zueinander hingezogen. Doch sind sie bereit, für ihre Gefühle alles zu riskieren?

Erscheinungstermin:

30. Mai 2025

Seitenanzahl / Hörstunden / Sprecher*In:

384 Seiten / — / —

Verlag:

everlove || —

Originaltitel:

Next of Kin

ISBN:

978-3-492-06575-7

Tropes: Enemies-to-Lovers; Found Family; Hidden Princess / Secret Heir; Forced Proximity

Cover:(fließt nicht in die Bewertung ein)

Schreibstil:

Inhalt:

Fazit:

Spice: (Keine Bewertung – nur das Level)

„Ich werde das nicht vermasseln, Kleine. Das verspreche ich.“

Next to me von Hannah Bonam-Young

Cover:

Das Cover strahlt genau das aus, was dieses Buch zwischen den Zeilen erzählt: Zartheit, Nähe, aber auch Kraft. Es ist modern, verspielt und trifft mit seiner Farbgebung und dem Titelgefühl voll ins Herz – ein echtes Wohlfühlcover, das neugierig macht.

„Es ist nur ein Schandmal, wenn du es dazu machst.“

Next to me von Hannah Bonam-Young

Schreibstil & Inhalt: (leichte Spoiler enthalten)
Chloe hat gerade erst ihren Abschluss gemacht, steht finanziell ziemlich wacklig da und wird dann mit einer Entscheidung konfrontiert, für die man selbst mit Mitte dreißig nicht wirklich bereit wäre: Ihre leibliche Mutter, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat, bringt völlig überraschend ein Baby zur Welt – und dieses Baby braucht ein Zuhause.
Weil Chloe nicht will, dass das kleine Mädchen in einer Pflegefamilie landet, übernimmt sie vorübergehend die Vormundschaft – obwohl sie keine Ahnung hat, wie das gehen soll.
Um nicht alles zu verlieren, nimmt sie an einem staatlichen Programm teil, bei dem sie ihre Wohnung mit einem Fremden teilt: Warren, der ebenfalls versucht, für seinen jüngeren Bruder Luke das Sorgerecht zu bekommen. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich ganz langsam zu etwas Tieferem – nicht über Nacht, sondern mit Blicken, Gesprächen, kleinen Momenten.
Und irgendwann wird klar, dass Familie nicht immer das ist, wo man herkommt, sondern manchmal das, was man füreinander wird.

Chloe ist witzig, ehrlich und so müde, wie man nur sein kann, wenn das Leben zu viel auf einmal von einem will. Sie hat gelernt, allein zurechtzukommen – nicht, weil sie es wollte, sondern weil niemand da war. Und genau deshalb ist es so bewegend, wie sie Stück für Stück lernt, Hilfe anzunehmen, sich anvertrauen zu dürfen und dabei nicht weniger stark, sondern sogar freier zu werden.
Was bei ihr zuerst nach Sarkasmus klingt, ist oft bloß eine Schutzschicht. Und je mehr sie sich öffnet – für Willow, für Luke, für Warren – desto mehr spürt man, wie viel Wärme und Mut unter dieser Schicht steckt.

Warren macht es einem anfangs nicht leicht – er redet wenig, wirkt verschlossen und lässt niemanden wirklich an sich ran. Aber mit jedem Kapitel merkt man, dass hinter seiner Härte etwas ganz anderes steckt: Trauer, Verantwortung, Angst davor, wieder jemanden zu verlieren. Er ist kein Typ für große Worte, aber man spürt, wie sehr er sich bemüht, für seinen Bruder da zu sein – und wie sehr Chloe ihn aus seinem alten Muster holt, auch wenn er das selbst nicht sofort zulassen will.
Seine Entwicklung ist still, aber stark. Am Ende ist da ein Mann, der gelernt hat, dass Nähe nicht schwächt, sondern trägt.

Luke, Warrens Bruder, ist fünfzehn, gehörlos und klüger, als man es auf den ersten Blick merkt. Er bringt Leichtigkeit in das ernste Thema „Pflegekind“, aber auch Tiefe – und ist ein bisschen das emotionale Bindeglied zwischen Chloe und Warren.
Und dann ist da natürlich noch Willow, die kleine Schwester, die mehr bringt als schlaflose Nächte und Sorgen. Sie bringt Richtung, Halt, ein echtes „Wir“.

Hannah Bonam-Young schreibt so, dass man sich nicht nur angesprochen, sondern auch gesehen fühlt. Die Geschichte wird komplett aus Chloes Sicht erzählt – in einem Ton, der gleichzeitig leichtfüßig und verletzlich ist. Man lacht über absurde Alltagsszenen, spürt das Stolpern vor Überforderung, das Unausgesprochene zwischen zwei Menschen – und manchmal reicht ein Satz, um zu schlucken, weil er genau da trifft, wo man selbst schon mal stand.
Der Stil ist nah an den Figuren, nie zu überhöht, aber auch nie flach – und das macht diese Geschichte so spürbar.

Für alle, die Romance mögen – aber lieber mit echtem Leben dazwischen.
Für Leser:innen, die starke Frauenfiguren mögen, die nicht perfekt sind, sondern ehrlich.
Für alle, die gern langsam erzählte Liebesgeschichten lesen, bei denen es nicht nur um Küsse, sondern um Vertrauen geht.
Und auch für alle, die gern Geschichten über Verantwortung, Heilung und Familie lesen – nicht die, in die man geboren wird, sondern die, die man sich schafft.

In diesem Buch werden Themen wie Sucht, Vernachlässigung in der Kindheit, der Tod eines Elternteils, Frühgeburt mit medizinischen Komplikationen, finanzielle Notlagen und psychische Belastungen (u. a. Angst und Überforderung) sensibel, aber deutlich angesprochen.

„Er spielt Schach, während ich das Damebrett herausgeholt habe.“

Next to me von Hannah Bonam-Young

Fazit:

Next to Me ist keine Geschichte, bei der man durchblättert und sich nur auf das Happy End freut. Es ist eine Geschichte, in der man ankommt, ein bisschen mitwohnt, mitleidet und mitlacht – und das Gefühl bekommt, dass echte Nähe eben nicht in großen Liebesgesten steckt, sondern in kleinen Momenten auf dem Sofa, in müden Blicken und gemeinsam getragenen Lasten.
Es ist leise, ehrlich, zugewandt – und obwohl hier sehr viele schwere Themen behandelt werden, fühlt sich das Buch nie beschwerend an, sondern auf eine seltsame Weise tröstlich.
Ein ganz besonderer Roman über alles, was Familie sein kann – und über das, was uns trägt, wenn wir es am wenigsten erwarten.
🦩🦩🦩🦩🦩 – Fünf von fünf Flamingos für dieses Herzensbuch!

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