Interview mit Linda Schipp, der Autorin des Buches „Too Deep To Dive“

Liebe Linda,
Ich bin so dankbar, dass Du bereit bist, ein schriftliches Interview mit mir zu machen – vielen Dank für deine Zeit und dafür, dass Du dabei bist!


©Markus Rensmann

Liebe Linda, mit welchen drei Wörtern würdest Du Dich beschreiben?

Hmmm, wären es drei Adjektive, dann: herzlich, leidenschaftlich, fröhlich
Wären es drei Substantive, dann: Buchautorin, Weltenbummlerin, Familienmensch

Gibt es zwei Angewohnheiten, die Du mit uns teilen wollen würdest? (Gerne persönlich, aber auch buchig)

Erstens: Ich muss so gut wie nie Seiten aus meinen Manuskripten löschen. Dafür schreibe ich schneckenlangsam und denke über jedes nächste Wort zehnmal nach.
Zweitens: Persönlich habe ich so gut wie gar keine Routinen (außer unvermeidbare wie Ballettstunden, die immer zu gleichen Zeiten stattfinden). Ich glaube, mein kreativer Geist braucht es, dass kein Tag wie der andere aussieht.

Welches Buch hat Dich zum Schreiben inspiriert? Gibt es ein Lieblingsbuch, das Du neben Deinen Büchern gerne empfiehlst?

„Wie ein einziger Tag“ von Nicholas Sparks ist mein All-time-Lieblingsbuch und war das Erste, das mich zu meinem Debütroman „Memories To Do“ bewegt hat – da wusste ich, dass ich in dem Genre schreiben wollte. KNISTERs „Yoko und die Gruselnacht im Klassenzimmer“ war das Buch, seit dem ich unbedingt mal ein eigenes von mir in den Händen halten wollte. Ich fand das Cover so unglaublich toll – bis heute. 😊

Wie sammelst Du Ideen für Deine Bücher? Und wie kamst Du auf die Idee zu “Too Deep To Dive? 

Ich sammle gar nicht aktiv, sie kommen zu mir dadurch, dass ich versuche, ein möglichst buntes und abwechslungsreiches Leben zu führen. Ich möchte viel von der Welt sehen, damit es nicht „das eine Normal“ für mich gibt. Mein Hirn soll aus einer Vielfalt von „Normals“ wählen können. TDTD ist entstanden, weil ich selbst meinen Tauchschein gemacht habe, es noch keine einzige Geschichte über die wunderschöne Unterwasserwelt gab und ich dachte „ich muss das den Leuten einfach zeigen“.

Acht Tage Tauchsafari. Mitten auf dem Meer. Mit dem Ex. Was soll da schon schiefgehen?

Noly war als professionelle Klippenspringerin gewohnt, dass kein Abgrund zu tief ist – bis ein Unfall ihre Karriere abrupt stoppt und vor allem eines zurücklässt: Angst. Um wieder Kontrolle über ihren Körper und ihr Leben zu gewinnen, bleibt ihr nur eine letzte Chance: eine Tauchsafari, acht Tage auf einer Yacht, um sich dem Wasser zu stellen. Klingt nach Neuanfang – wäre da nicht Austin, ihr Tauchlehrer. Der Mann, den Noly einmal für ihre große Liebe hielt. Der Mann, der heute alles ist, was sie nicht gebrauchen kann.

Auf engem Raum, fernab vom Festland, wird schnell  Forced Proximity mit maximaler Spannung: salzige Luft, Sternennächte, Meeresbrisen – und Gefühle, die nie wirklich weg waren. Zwischen Schildkröten, Sonnenbrand und Sex on the Beach muss Noly sich fragen, ob sie nur ihre Angst besiegen will … oder auch die Vergangenheit, die sie immer noch festhält.

Hast Du Rituale, die Du beim Schreiben befolgst? Wie sieht ein Schreiballtag bei Dir aus?

So gar nicht. 😊 An manchen Tagen starte ich früh morgens, an anderen um 21:00 Uhr – das sind bei mir die besten. Beim Schreiben lautet meine Regel: strikt chronologisch von vorn nach hinten und streng orientiert am Kapitelplan, da ich eine überzeugte Plotterin bin. Ab 1.400 Wörtern am Tag bin ich zufrieden mit dem Pensum, über 2.200 ist erfreulich und die Über-4.000-Wörter-Tage sind einen kleinen Happy Dance wert. 😊 In meinen Schreibzeiten versuche ich, jeden Werktag zu schreiben. An Wochenenden habe ich definitiv frei. Diese eine Regel habe ich mir aus dem Angestelltenleben beibehalten und ich halte sie für super wichtig, um der Überarbeitung vorzubeugen.

Bist Du eher ein Plotter oder Pantser? Und wie lernst Du Deine Figuren kennen?

Auf jeden Fall Plotterin – ich habe ja sogar einen eigenen Schreibratgeber mit meinem eigenen Plotting-System veröffentlicht. Schreiben hat viel mehr mit Handwerk zu tun als mit Talent. Beim Plotten wendet man dieses Handwerk bewusst an, während Pantser unbewusst damit arbeiten. Beides ist möglich, aber ich glaube, sich aktiv damit zu beschäftigen, wie Geschichten funktionieren, ist insbesondere für Jungautor:innen nur hilfreich. Bei meinen Figuren bin ich da weniger technisch unterwegs: Sie stellen sich mir im Laufe von Wochen und Monaten im Kopf „vor“. Sie wachsen in meinem Unterbewusstsein heran, bis ich irgendwann das Gefühl habe, sie sind Freunde, die ich seit 20+ Jahren kenne und lediglich lang nicht gesehen habe. Ich weiß genau, wie sie auf Aussagen reagieren und was sie mögen würden, wovor sie Angst haben und wie ich sie am besten ärgern kann.

Was ist Dir in Deinen Bücher immer besonders wichtig?

Innovation. Ich möchte keine Bücher nach Schema F schreiben und versuche immer, etwas Neues in den Markt zu bringen.
Eigene Erfahrungen. Ich möchte meine Settings und Themen lieber selbst erlebt haben, anstatt sie online zu recherchieren.
Eine Message. Wofür schreibe ich, wenn nicht, um Menschen etwas auf den Weg mitzugeben, das ihr Leben nachhaltig verbessern kann?

Wie ist es in zwei völlig verschiedenen Genre zu schreiben? Was ist für Dich als Autorin spannend oder vielleicht auch herausfordernd, sowohl Thriller, als auch RomCom zu schreiben?

Ich verrate mal ein kleines Geheimnis: Bald sind’s sogar drei. 😊 Für mich ist die Genre-Vielfalt einfach nur erleichternd. Ich habe lange versucht, mich zugunsten der Autorinnenmarke in eine strikte Form zu pressen. Aber ich habe mich nie vollends mit meinem Autorinnendasein identifizieren können, weil ich nie das Gefühl hatte, dass das vollständig ich bin. Jetzt schreibe ich endlich auf der ganzen Gefühlspalette: von zarter, leidenschaftlicher Liebe (in der RomCom) bis hin zu Hass und Zerstörungswut (im Thriller). Ich kann alle Seiten des Menschseins erkunden – das inspiriert mich.

Noly war als professionelle Klippenspringerin eigentlich daran gewöhnt, sich in Situationen zu begeben, die anderen vielleicht Angst machen würden. Was hat dich an der Idee gereizt, gerade eine so mutige Figur mit einer ganz neuen Form von Angst zu konfrontieren?

Die Frage trifft es schon gut auf den Punkt. Extreme bewegen uns Menschen immer am meisten. Noly ist außergewöhnlich geübt im Umgang mit Angst – trotzdem kommt der Punkt, an dem selbst jemand wie zeitweilig von dem Gefühl in die Knie gezwungen wird. Für ängstliche Leser:innen finde ich es schön zu sehen: „Hey, schau mal, auch mutige Menschen haben Angst!“ Für mutige Leser:innen wiederum ist es toll zu zeigen: „Sogar mit deinem hohen Skill Set in Angstbewältigung kann es beizeiten schwierig werden – schau mal, das könntest du dann tun.“ New-Adult-Romance ist auch immer ein bisschen Lebenshilfe.

Acht Tage auf einer Yacht und kaum eine Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen, sind natürlich ein perfekter Ort für Forced Proximity. Wie ist die Idee für dieses besondere Setting entstanden?

Hehe, genau! Ich war selbst auf so einem Boot auf Tauchsafari. Acht Tage lang auf hoher See (dabei ist mir bei einem besonders anspruchsvollen Tauchgang mit Haien das Trommelfell geplatzt, aber das ist eine andere Geschichte). Das Boot, auf dem ich war, ist tatsächlich die Originalvorlage für die Jewel im Buch! Die Bilder, die ich auf Insta dazu teile, sind daher alles Originalschauplätze.

Gab es einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Landschaft, die du beim Schreiben der Unterwasserwelt und der Yacht im Kopf hattest?

Die Tauchyacht ist dem Alia Liveaboard in Ägypten nachempfunden. Die Unterwasserwelt wiederum meinen Tauchgängen auf den Seychellen rund um die Insel La Digue.

Wie viel von Deinen eigenen Erfahrungen hast Du in das Buch einfließen lassen? (Hier meine ich zum Beispiel Deinen Mut, Deine Erfahrungen als Taucherin, aber natürlich auch gerne persönliche Erfahrungen.

Ich glaube, wir Menschen bestehen aus tausend Facetten. Mal zeigen wir uns mutig, mal extrovertiert, mal lebenslustig und mal grumpy. Das ist ganz natürlich. Jede meiner Figuren bildet eine bestimmte Facette von mir ab – sonst wäre ich ja gar nicht in der Lage, sie zu schreiben. Die Antwort auf die Frage lautet daher: Irgendwie alle. Das gilt insbesondere für die zentrale Frage im Buch: Wann ist eine Beziehung es wert, ihr eine zweite Chance zu geben?

Was wünschst Du Dir als Autorin, dass wir Leser*Innen aus “Too Deep To Dive” für uns mitnehmen?

Oh, allem voran ganz viel Spaß. Ich glaube, das ist mein bislang lustiges Buch, es gibt so viel Banter, so viel Spice-gone-wrong. Aber auch die Liebe für die Unterwasserwelt möchte ich wachkitzeln. Wenn sie irgendwer traut, wegen meines Buchs seinen ersten Tauchgang zu versuchen, wäre das ultimative Ziel erreicht!

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