Interview mit Leia Hart (Synonym der Autorin Adriana Popescu)

Liebe Adriana,
vielen Dank, dass Du bereit warst, ein schriftliches Interview mit mir zu machen! Danke für Deine Zeit und dafür, dass Du dabei bist!
© Notker Mahr
Liebe Adriana, wenn Du Dich mit drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
Kreativ, optimistisch, loyal. Gebe zu, ich habe meine Freund*innen gefragt, weil ich es selbst immer sehr schwer finde. Hoffe, sie waren nicht einfach nur höflich.
Hast Du zwei Angewohnheiten, die Du mit uns teilen möchtest? Gerne auch buchige!
Ich sortiere meine Bücher im Regal am liebsten nach Farben, weil ich mir Cover besser merken kann, als Namen oder Titel. Wenn ein neues Buch einzieht, muss ich daran riechen. Nichts riecht besser als ein neues Buch. Außer vielleicht die Pfoten meines Hundes. Und das Meer.
Du hast bereits selbst in vielen Genres geschrieben – hast Du aber ein Genre, das Du besonders gerne liest?
Ein Teil meines Herzens wird immer dem Jugendbuch gehören. Ich weiß, es ist an sich kein Genre, aber ich liebe alles daran. Und Romance. In allen Formen, Farben und Geschichten. Ich brauche etwas für das Herz, wenn die Welt in Flammen steht.
Welches Buch hat Deine Liebe zum Lesen geweckt?
Das Monstrum von Stephen King. Nicht etwa, weil ich es gelesen habe. Mein Bruder hat es im Italienurlaub damals verschlungen und das ist ja nun kein kurzes Buch. Also habe ich ebenfalls angefangen, zu lesen. „TKKG jagt das rote Geisterauto.“ Später habe ich „Love Story“ von Erich Segal gelesen und war fasziniert davon, wie man solche Emotionen wecken kann. Ich habe auch viel Enid Blyton gelesen, viel später dann Nicholas Sparks, der hatte es mir damals echt angetan.
Hattest Du schon immer den Traum, Autorin zu werden? Was oder vielleicht auch wer hat diesen Traum in Dir entfacht?
Ja. Ich wusste nur nie, in welcher Form ich Geschichten erzählen wollte. Ich war viel zu jung, als ich Star Wars gesehen habe, und wusste: »Das will ich auch machen.« Geschichten, Figuren, ganze Welten erfinden.
Ich hatte das große Glück, dass mein Deutschlehrer mich immer motiviert hat. Er hat sehr an mein Talent geglaubt und hat mir erlaubt, einen Roman als Facharbeit zu schreiben. Das war ein Teenie-Slasher wie »Scream«. Ich sage ja, Filme haben es mir angetan. Also führte mich mein Weg nach dem Abi auch erst mal in die Filmwelt, wo ich Drehbücher geschrieben habe, bevor ich Romanautorin wurde. Ich sehe mich als Geschichtenerzählerin. Das Medium spielt dabei erst mal keine Rolle. Aber ich wusste, ich will und werde nie etwas anderes machen können.
Leia Hart ist ein neues Pseudonym, unter dem Du schreibst – wie kam es dazu und was bedeutet es für Dich, unter einem neuen Namen zu schreiben?
Das haben der Goldmann Verlag und ich gemeinsam entschieden. Wir wollten einen Neuanfang für ein weiteres Genre. Jünger als die Romane von Elena Sonneberg, älter als die Jugendbücher von Adriana Popescu. Das Pseudonym entstand dann aus zwei meiner ganz großen Lieben: Star Wars und meinem Freund. Mir ist es nicht so wichtig, welcher Name auf dem Cover steht. Es bin immer ich, da steckt immer Popescu drinnen.
Bist Du eher Plotter oder Pantser? Wie sehr planst Du Deine Geschichte, bevor Du mit dem Schreiben beginnst?
Absolute Plotterin. Ich entwickle immer einen detaillierten Kapitelplan vom Anfang bis zum Ende, auch wenn ich meistens nach dem Schreiben der ersten Hälfte die zweite Hälfte meines Plans verwerfe und noch einmal „nachplotte“.
Darf ich fragen, unter welchem Namen man Bücher von Dir findet?
Ich habe natürlich einige als Adriana Popescu. Jugendbücher, Liebesgeschichten und Generationenromane. Als Elena Sonneberg schreibe ich Sommerbücher mit Protas um die 40. Mia Newman tobt sich mit Romance aus. Dann gibt es noch Sarah Fischer, Adriana Jakob und Carrie Price. Das sind zumindest die offenen Pseudonyme, die ich teilen kann. 😉
Hast Du gewisse Schreibrituale, die Du täglich einhältst? War Coral Beach anders zu schreiben, als Deine bisherigen Bücher?
Ich schreibe am liebsten nachmittags, nehme mir immer ein bestimmtes Tagesziel an Worten vor und schaue dann, wie weit ich komme. Jedes Kapitel, möge es auch noch so mies sein, ist eines, das man überarbeiten kann. Deswegen schreibe ich tatsächlich täglich, denn eine leere Seite lässt sich nur schwer verbessern.
Coral Beach war eigentlich wie Heimkommen. Immerhin habe ich damals mit genau solchen Romanen angefangen. Dann habe ich es mir eine Weile nicht mehr erlaubt, dabei weiß ich gar nicht, wieso. Denn das Schreiben von Stevie und Kais Geschichte hat so unfassbar viel Spaß gemacht, dass ich fast wütend wurde, es nicht schon früher wieder getan zu haben.
Du möchtest noch mehr über Coral Beach erfahren? Hier findest Du meine ausführliche Rezension zum Buch.



Gibt es einen Tipp, den Du Deinem früheren Ich geben wollen würdest?
Höre immer (!) auf dein Bauchgefühl und sage auch mal Nein, wenn alle anderen Ja sagen.
Coral Beach hat vor allem ein ganz tolles Setting und sehr schöne Dialoge – wie schreibt man so etwas? Wie gehst Du dabei vor?
Das Setting war viel Recherche und einige Anrufe mit meiner Freundin, die in der Nähe von Sydney in Australien lebt. Sie hat mir so viele Fotos geschickt, ist extra an den Ort gereist, hat mir sogar Sprachnachrichten nur mit dem Geräusch der Wellen von Byron Bay geschickt. Das war schon alles wild, aber echt spannend. Höre die Wellen übrigens immer noch, wenn ich nicht schlafen kann.
Dialoge machen für mich eine Story erst lebendig. Das Setting kann noch so wunderbar sein, wenn die Figuren sich wie ausgedacht anfühlen, dann stolpert die Geschichte. Ich lasse sie einfach reden. Das klingt vielleicht schräg, aber manchmal habe ich das Gefühl, ich schreibe nur mit und höre die Gespräche der Charaktere in meinem Kopf.
Hast du Tipps für Menschen, die aktuell an ihrem Schreibprojekt arbeiten und vielleicht mit sich hadern?
Die erste Fassung muss nicht perfekt sein. Sie muss nicht mal gut sein. Sie darf nur für dich sein. In der Überarbeitung wird sie besser, da darf man auch Hilfe dazuhaben. Beta Lesende, Lektor*innen oder auch mal Kolleg*innen, wenn man will. Aber der Wunsch nach Perfektion tötet jede Kreativität.
Wie kamst Du auf die Idee zu Coral Beach? War zuerst die Idee für das Setting da? Oder Stevie und Kai?
Wer meine Geschichten kennt, weiß, dass ich für Figuren lebe. Stevie und Kai waren sofort da. Und Fotografie spielt in vielen meiner Romane eine wichtige Rolle, das fühlte sich sofort gut an. Surfer … nun, mein Freund surft und ich habe als Teenager Poster von Surfweltmeister Kelly Slater an der Wand gehabt. Es war leicht, mich stellvertretend für Stevie noch mal in einen Surfer zu verlieben. Coral Beach, ein kleiner fiktiver Teil von Byron Bay, sollte ein Ort sein, an dem wir uns alle wohlfühlen. Wo wir sein können, wie wir wirklich sind. Und wo geht das besser, als am Meer?
Was hat Dich am Thema Surfen so interessiert, dass es so einen großen Raum in Deinem Buch einnehmen durfte? Wie hast Du Dir das Wissen dazu angeeignet?
Mein Freund hat so unglaublich viele Fragen zum Surfen beantworten müssen. Er surft, seitdem er elf ist, damals noch Windsurfen, und dann war ihm das Segel irgendwann zu doof und er hat das Wellenreiten für sich entdeckt. Da konnte ich natürlich auf einen unglaublichen Wissensschatz zurückgreifen. Auch wenn er zwischenzeitlich vermutlich an Trennung gedacht hat, wenn er noch einmal »Du Schatz, sag mal …« gelesen hätte.
Es hat natürlich auch geholfen, dass ich vor Jahren die Biografie von Kelly Slater gelesen habe, in der es auch viel ums Surfen geht. Mich hat der Sport schon als Jugendliche fasziniert, ich selbst habe es aber nicht über das Skimboarden hinaus geschafft. Quasi Surfen am Strand, aber das macht mir wahnsinnig viel Spaß und es ist ein Brett unter den Füßen.
Was war Dir an Deinen Figuren wichtig? Sollten Stevie und Kai etwas mit sich bringen, das Dir wichtig war?
Ich glaube, Figuren müssen nicht perfekt sein, um liebenswert zu sein. Sie dürfen falsche Entscheidungen treffen, Fehler machen und auch mal danebenliegen. Aber das Herz muss stimmen, ich muss verstehen, wieso sie Dinge tun, sagen und Ziele verfolgen. Wieso sie sich ineinander verlieben. Stevie sollte tough sein, Träume haben und sie stur verfolgen. Als Frau in einer Männerdomäne, das ist nicht immer leicht und das ist ein Gefühl, das wir Frauen alle aus unserem Alltag kennen. Aber Stevie ist nicht hart, ganz im Gegenteil, sie hat diese sanfte Seite, die sie wahnsinnig verletzlich macht: die Liebe zur Fotografie. Bei mir ist es das Schreiben, aber da sind Stevie und ich uns schon verdammt ähnlich.
Ich liebe Deinen bildhaften Schreibstil! Wie hast Du Dir selbst ein Bild von Coral Beach gemacht und dessen Atmosphäre?
oral Beach gibt es so ja nur in meinem Kopf und jetzt für euch auf dem Papier. Aber alles Drumherum, das gibt es ja. Und ich wollte keine perfekte Beschreibung eines Ortes, nach dem Motto »An der dritten Abfahrt aus dem Kreisel und dann die zweite Straße links rein«, sondern das Lebensgefühl von Byron Bay einfangen. Am besten so, dass man es wiedererkennt, obwohl man noch nie dort war.
Wie war es für Dich, für Band 2 zu Stevie und Kai zurückzukehren? Und was wird das für uns LeserInnen bedeuten?
Band 2 war anders, weil die Figuren schon so krass da waren. Ich konnte sie nicht mehr ändern, musste ihnen deutlicher zuhören und ihnen folgen. Aber das ist auch das Schöne an Folgebänden: Man kehrt zu Freund*innen zurück und liebt sie in Band 2 noch etwas mehr. Nur das Loslassen, das hat nicht ganz so funktioniert. Ich denke noch oft an die Figuren und frage mich, ob es ihnen wohl gut geht, was sie gerade anstellen und ob ich sie irgendwann noch mal besuchen darf …