Godless von Annie Waye – Rezension
Klappentext
Sie hat ihn getötet – nun lebt er in ihr fort
Nach der brutalen Auslöschung ihres Volkes hat Asta allen Göttern abgeschworen. Als gottlose Assassinin erhält sie den Auftrag, den Priester Nero zu ermorden – doch nach seinem Tod hört sie auf einmal seine Stimme in ihrem Kopf. Nero entpuppt sich als Nekromant, dessen Seele in ihren Körper gefahren ist. Fest steht: Einer von ihnen muss gehen. Aber während sie versuchen, sich gegenseitig zu verdrängen, wächst eine verräterische Vertrautheit zwischen ihnen, die alles aufs Spiel zu setzen droht.
Erscheinungstermin:
12. August 2026
Seitenanzahl / Hörstunden / Sprecher*In:
400 Seiten || 9 Stunden und 12 Minuten || Simone Walleck
Verlag:
more (Aufbau Verlag) || USM Audio
ISBN:
978-3-9875110-3-5

Tropes: Enemies-To-Lovers; Forced Proximity; Slow Burn

Schreibstil:![]()
Sprecher*Innen: Kein Hörbuch gehört
Inhalt:![]()
Fazit:![]()
Spice:
(Keine Bewertung – nur das Level)
Die Kriegswut war nicht dazu gedacht, in einer einzigen Lancia gesammelt zu werden, und selbst wenn, dann nicht in einem zehnjährigen Kind, das noch kein Tier geschossen hatte.
Schreibstil & Inhalt: (leichte Spoiler enthalten)
Auf Godless bin ich aufmerksam geworden, weil ich den Klappentext unfassbar gut fand. Die Dynamik zwischen einer Assassinin und dem Priester, den sie töten soll, klang für mich sofort spannend. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich für die Blogtour angefragt wurde und mich für meinen Beitrag näher mit dem Thema Nekromantie beschäftigen durfte. Das Bild zum Thema Nekromantie, das ich für die Blogtour erstellt habe, findet Ihr ebenfalls hier in meinem Beitrag.
Vorweg möchte ich sagen, dass ich Godless nicht schlechtreden will. Die Grundidee fand ich wirklich großartig. Leider hatte die Umsetzung für mich einige Schwächen. Aber lasst uns von vorne anfangen.
Asta ist die letzte Überlebende ihres Volkes und hat nach dessen Auslöschung den Göttern abgeschworen. Heute arbeitet sie als Assassinin für die Gilde der Flüsterer und hofft, eines Tages frei zu sein und Rache nehmen zu können. Ein neuer Auftrag führt sie zu Nero, einem Priester der Göttin des Verlusts, den sie töten soll. Doch nach seinem Tod hört Asta plötzlich seine Stimme in ihrem Kopf. Nero ist ein Nekromant, und seine Seele hat in Astas Körper überlebt. Während beide nach einem Weg suchen, den anderen loszuwerden, kommen sie einander näher, als ihnen lieb ist.
Asta fand ich grundsätzlich gut geschrieben, und ihre Geschichte hat mich durchaus berührt. Trotzdem hatte ich immer wieder Schwierigkeiten damit, ihr Verhalten mit dem Bild zusammenzubringen, das das Buch von ihr zeichnet. Sie soll eine erfahrene und außergewöhnlich fähige Assassinin sein. Zwar zeigt sie durchaus, dass sie kämpfen kann, aber in manchen Situationen handelt sie für mich so unvorsichtig, dass ich ihr diese Erfahrung nicht immer abnehmen konnte.
Auch ihre Verbindung zu Nero ging mir emotional zu schnell. Ich konnte sehen, dass die beiden einander näherkommen. Mir fehlte aber die Zeit zwischen diesen Momenten, um wirklich mitzufühlen, warum ausgerechnet Nero Asta so viel bedeutet. Schon früh fühlt sie sich von ihm auf eine Weise gesehen, die ihr sonst kaum jemand gibt. Ich hätte dennoch mehr von ihrer inneren Entwicklung gebraucht, damit diese Nähe für mich glaubwürdig wird.
»Ohne Amalthea? Nein«, antwortete er fest. »Ohne sie bin ich nichts.«
Und Nero? Ach, Nero hätte für mich so viel Potenzial gehabt. Die Idee eines Priesters, der seiner Göttin so ergeben ist und gleichzeitig Nekromantie praktiziert, fand ich unglaublich interessant. Ich mochte ihn als Figur und fand ihn gut geschrieben, hatte aber oft das Gefühl, dass noch viel mehr in ihm gesteckt hätte. Gerade bei Asta und Nero hätte ich mir gewünscht, dass das Buch länger bei ihren inneren Konflikten bleibt und ihrer Entwicklung mehr Raum gibt.
Die Handlung führt die beiden durch verschiedene Stationen, und ich habe dabei sehr deutlich das Gerüst einer Heldenreise gespürt. An sich mag ich solche Geschichten. Hier fühlte es sich für mich allerdings häufig so an, als würde ein Punkt nach dem anderen abgearbeitet: Jetzt müssen sie dorthin, danach wartet schon die nächste Begegnung, und dann geht es direkt weiter. Obwohl viel passiert, blieb die Geschichte für mich dadurch erstaunlich flach. Ich hätte mir gewünscht, dass einzelne Ereignisse und das, was sie mit Asta und Nero machen, länger nachwirken dürfen.

Am meisten hat mich das bei der Romance beschäftigt. Da Godless der Auftakt einer vierteiligen Reihe ist, hätte ich im ersten Band noch gar keine so weit entwickelte Liebesgeschichte gebraucht. Ich hätte Asta und Nero lieber erst gründlicher kennengelernt und beobachtet, wie zwischen ihnen langsam Vertrauen entsteht. Stattdessen konnte ich ihre Anziehung oft nicht richtig nachvollziehen. Als dann auch noch Spice ins Spiel kam, hatte diese Szene für mich noch nicht ihren Platz in der Geschichte. Dazu kommen Momente, in denen die beiden einander so sehr verletzen und Grenzen überschreiten, dass ich mich gefragt habe, wie sie danach überhaupt wieder zueinanderfinden sollen.
Das ist wirklich schade, weil ich die Ausgangsidee nach wie vor richtig stark finde. Im Moment weiß ich nicht, ob ich die Reihe weiterlesen möchte. Vielleicht gebe ich dem zweiten Band irgendwann doch noch eine Chance, denn neugierig darauf, was aus dieser Idee und besonders aus Nero wird, bin ich schon. Aber mit diesem ersten Band bin ich leider nicht warm geworden und konnte keine richtige Bindung zu den Figuren aufbauen. Wenn Du Lust auf eine weitere Romantasy mit einer ungewöhnlichen Verbindung zum Tod hast, findest Du hier auch meine Rezension zu His Soul To Own von Sasha Reed.
»Weil Lebende einem jederzeit ein Messer in den Rücken jagen können.«
»Ich habe Euch das Messer wenigstens in die Brust gejagt.«
Fazit:
Godless von Annie Waye hatte für mich ganz, ganz viel Potenzial: eine coole Grundidee, eine spannende Ausgangslage und mit Nero eine Figur, von der ich gern noch viel mehr gelesen hätte. Für mich fehlten der Handlung jedoch Tiefe und der Beziehung zwischen Asta und Nero die Entwicklung, die ich gebraucht hätte, um wirklich mit ihnen mitzufühlen. Deshalb bekommt das Buch von mir gut gemeinte drei von fünf Flamingos.
🦩🦩🦩 – Für eine starke Grundidee und zwei interessante Figuren, aber eine für mich zu schwach ausgearbeitete Handlung.