Totensee von Sophie Czerny – Rezension zum Thriller

Totensee von Sophie Czerny [Rezension]

Klappentext

Gnadenloser Pageturner-Thriller mit einer Ermittlerin, die nichts mehr zu verlieren hat
Eine Mutter, deren Tochter entführt wurde, ist verzweifelt.
Eine Ermittlerin, deren Tochter entführt wurde, ist bereit zu töten.

Ada Sabel ist am absoluten Tiefpunkt: Niemand glaubt der suspendierten Kommissarin vom LKA Wien, dass ihre 14-jährige Tochter entführt wurde. Seit fünf Monaten muss sie die Ungewissheit ertragen, ob Mara noch am Leben ist. Und mit jedem Tag, an dem sie keinen Hinweis auf Maras Verbleib findet, wächst die Strichliste aus Schnitten an ihren Armen. Bis zu Tag 145, als am Ufer des Donaukanals eine kopflose Leiche auftaucht, auf deren Rücken Adas Name in blutigen Buchstaben eingeritzt ist.

Ada ist sich sicher: Die Botschaft stammt von Maras Entführer. Fieberhaft folgt Ada der Spur auf eigene Faust – nicht ahnend, dass sie mit jedem Schritt auch den Dämonen ihrer eigenen Vergangenheit näherkommt …

Erscheinungstermin:

01. September 2026

Seitenanzahl / Hörstunden / Sprecher*In:

448 Seiten || 11 Stunden und 47 Minuten || Christiane Marx

Verlag:

Knaur || Argon Hörbuch

ISBN:

978-3-426-56819-4

Tropes: Thriller
Totensee von Sophie Czerny als Buch und Hörbuch

Schreibstil:5 von 5 Flamingos

Sprecher*Innen:5 von 5 Flamingos

Inhalt:4 von 5 Flamingos

Fazit:4 von 5 Flamingos

Spice: — (Keine Bewertung – nur das Level)

Schreibstil & Inhalt: (leichte Spoiler enthalten)

Auf den Thriller von Sophie Czerny bin ich aufmerksam geworden, weil der Klappentext einfach so, so gut klang und ich sofort Lust darauf hatte, die Blogtour zu organisieren – was wir dann glücklicherweise auch durften. Die einzelnen Blogtour-Beiträge findet ihr am Ende meiner Rezension. Vorweg möchte ich euch jedoch unbedingt die Triggerwarnungen mitgeben, denn diese solltet ihr beim Lesen des Buches wirklich ernst nehmen:

Triggerwarnungen: Gewalt und sexualisierte Gewalt gegen Kinder, Kindesmissbrauch, institutioneller und religiöser Missbrauch, Entführung und Gefangenschaft, Selbstverletzung, Suizid und Suizidinszenierung, psychische Erkrankungen und Traumata, Medikamenten- und Alkoholmissbrauch, medizinische Versuche, Folter, Mord, Verstümmelung und explizite Gewaltdarstellungen.

Vorab möchte ich der Hörbuchsprecherin Christiane Marx ein großes Lob aussprechen. Sie hat Ada eine so intensive Stimme gegeben, dass die Geschichte durch das Hören für mich noch einen Ticken eindringlicher wurde. Christiane hat so viele Facetten in Ada geschaffen, dass sie mir näherkam, als es durch das reine Lesen vielleicht möglich gewesen wäre. Daher wirklich eine großartige Leistung und ein Hörbuch, das absolut hörenswert ist!

Totensee ist alles andere als leichte Kost. Ein sehr gut geschriebener Thriller, der mich persönlich allerdings mehrfach an meine Grenzen gebracht hat. Wir steigen direkt mit Ada in die Geschichte ein, einer sehr düsteren, tiefgründigen und gebrochenen Frau, die ein gewaltiges Päckchen mit sich trägt und in ihrem Leben bereits unfassbar viel erleiden musste. Seit 145 Tagen ist ihre vierzehnjährige Tochter Mara verschwunden – und genau darum dreht sich die Geschichte: Gemeinsam mit Ada begeben wir uns auf die verzweifelte Suche nach ihrer Tochter.

Das Verhältnis zwischen Ada und Mara war bereits vor deren Verschwinden alles andere als einfach. Aufgrund ihrer traumatischen Vergangenheit fällt es Ada schwer, körperliche und emotionale Nähe zuzulassen und ihrer Tochter zu zeigen, wie sehr sie sie liebt. Ada ist selbst in einem Kinderheim aufgewachsen und wurde später an einen Ort gebracht, an dem sie missbraucht und gequält wurde und gemeinsam mit anderen Kindern Unvorstellbares erleben musste.

Genau diese Geschehnisse waren einer der Punkte, die mich beim Lesen wirklich an meine Grenzen gebracht haben. Sophie Czerny schreibt sehr bildhaft und eindringlich, wodurch die Szenen aus der Vergangenheit beinahe körperlich spürbar werden. Kinder sind für mich die unschuldigsten Wesen auf dieser Welt, weshalb ich kaum ertragen konnte, was ihnen dort angetan wurde – insbesondere mit dem Wissen, dass vergleichbare Verbrechen an Kindern keineswegs nur in der Fiktion existieren.

Die Auflösung des Buches hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte ist sehr durchdacht, und Sophie Czerny führt uns lange auf falsche Fährten. Die verschiedenen Zeitebenen und zunächst noch schwer einzuordnenden Ereignisse fügen sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Einige der Wendungen waren wirklich heftig und für mich nicht vorhersehbar, wirkten rückblickend aber dennoch schlüssig.

Du möchtest mehr über Sophie Czernys Schreibprozess wissen und wie sie auf die Idee zu Totensee kam? Das kannst Du hier im Interview mit Sophie nachlesen: Interview mit Sophie Czerny

Totensee ist das Thriller-Debüt der Rechtsanwältin Sophie Czerny – und davor kann ich wirklich nur den Hut ziehen. Schon mit ihrem ersten Buch legt sie einen komplexen, atmosphärischen und äußerst geschickt konstruierten Thriller vor. Ihr solltet euch allerdings Zeit nehmen, um diese Geschichte und ihre Themen zu verarbeiten. Ich konnte das Buch nur etappenweise lesen, weil mich manche Szenen sehr aufgewühlt und nachhaltig beschäftigt haben. Besonders die Selbstverletzung ist ein wichtiger Bestandteil von Adas Geschichte und ein Thema, bei dem ich selbst sehr auf mich achten musste.

Sophie Czernys Schreibstil ist bildhaft und beinahe filmisch. Ich hatte die Handlung während des Lesens wie einen Film vor Augen. Die Dialoge sind teilweise knallhart, die Atmosphäre ist bedrückend und Adas Innenleben wird sehr düster und traurig geschildert. Sie ist eine gebrochene Frau, die dennoch nicht aufgibt und unermüdlich um das Leben ihrer Tochter und zugleich um die beinahe verlorene Beziehung zu ihr kämpft.

Insgesamt ist Totensee ein wirklich gelungener Thriller, der mich mit all seinen Facetten und den schwer vorhersehbaren Plot-Twists vollkommen eingenommen hat. Auch wenn die einzelnen Elemente schlüssig in die Handlung eingebunden sind, war mir die enorme Dichte an Grausamkeit, Leid und dramatischen Zuspitzungen stellenweise etwas zu viel. Das ist natürlich eine sehr persönliche Empfindung und schmälert nicht, wie durchdacht und eindringlich Sophie Czerny ihren Thriller geschrieben hat. Für mein eigenes Leseerlebnis führte es jedoch dazu, dass ich das Buch nur in Etappen lesen konnte und zwischendurch immer wieder Abstand brauchte. Besonders Gewalt gegen Kinder und Selbstverletzung sind für mich sehr belastende Themen. Leser, die kompromisslos düstere und intensive Thriller mögen, werden mit dieser Härte vermutlich besser umgehen können und gerade die eindringliche Umsetzung der Geschichte schätzen.

Fazit:

Totensee von Sophie Czerny hat mich gefesselt und ist ein ausgesprochen starkes Thriller-Debüt. Gleichzeitig musste ich beim Lesen sehr auf meine mentale Gesundheit achten, denn das Buch behandelt äußerst schwere Themen. Durch Sophie Czernys eindringlichen und bildhaften Schreibstil gehen diese noch stärker an die Substanz. Trotzdem ist es ein Buch, das ich weiterempfehlen kann – allerdings nur verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, die Triggerwarnungen ernst zu nehmen. Tatsächlich konnte ich den Thriller inzwischen sogar schon zweimal bei der Arbeit verkaufen.

🦩🦩🦩🦩 – Für ein beeindruckendes Debüt und für Ada und Mara, denen ich nach dieser Geschichte von Herzen nur das Beste wünsche.

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